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Arlucksi und der kleine Sonnenkratzer - Leseprobe

Arlucksi liebte es am Strand spazieren zu gehen und Muscheln zu sammeln. Ihre beiden Brüder Frühling und Herbst fanden das langweilig. Sie gingen lieber mit Papa-Rotbart, den sie auf der Jagd immer Steinwerfer riefen, auf die Jagd. Papa-Rotbart jagte damals gerne mit Steinen und er war so stark, dass er auch große Steine werfen konnte. Daher sein Name.
Arlucksi aber fand das Jagen ziemlich langweilig. Da musste man Stundenlang still sitzen und warten. Und sprechen durfte man auch nicht. Nein, das war nichts für sie. Da war ihr das Sammeln von Muscheln doch viel lieber. Aus denen konnte man ganz tolle Sachen machen. Man konnte kleine Löcher hineinbohren und sie an einem getrockneten Algenfaden zu einer Kette zusammen fädeln. Große Muscheln, dann kleine, dann wieder eine große, dann eine Meerschnecke dazwischen und in der Mitte noch ein Seestern. Ja, das gefiel ihr viel besser als die öde Jagd. Außerdem konnte man die Muscheln als Kette sehr gut verschenken. Und ihrer Mama-Jopi, die sie manchmal auch Freude-Freude nannte, hatte sie schon ganz viele Ketten geschenkt. Und wenn Mama eine ihrer Ketten trug, dann sah sie mit dem Säbelzahntigerfell wie die allerhübscheste Mama der Welt aus.
Morgen hatte Mama Geburtstag. Und Arlucksi wollte ihr dafür eine besonders schöne Kette basteln. Deshalb lief sie stundenlang den weiten Strand entlang und suchte. Dabei half ihr Flugsie, ihr Flugsaurier. Flugsie war inzwischen gewachsen und er war jetzt schon größer als Arlucksi. Nicht mehr lange und Arlucksi würde mit ihm fliegen können. Darauf freute sie sich schon sehr. Aber jetzt half ihr Flugsie von der Luft aus, die schönsten Muscheln zu finden.
„Such, Flugsie! Wir müssen Mama etwas ganz Besonderes schenken.“
Ein lautes Kräääkuuz, kam als Antwort von oben. Die beiden verstanden sich sehr gut.
 Plötzlich fing Flugsie an, über einer Stelle zu kreisen. Es war eine kleine Sandbank im Meer, die seine Aufmerksamkeit erregte.
Krääkuuz, Krääkuuz, rief er immer wieder und flatterte immer aufgeregter mit seinen Lederflügeln.
„Flugsie, hast du was gefunden?“
Ein langgezogenes Krääääkuuuuz kam als Antwort zurück.
„Warte, ich komme zu dir.“
Arlucksi legte flink ihren Korb mit Muscheln ab und stapfte mutig ins Meer. Mutig, weil sie konnte doch nicht schwimmen! Das Meer war Gottseidank ruhig. Nur kleine Wellen kräuselten sich am Strand. Arlucksi stakste mit breiten Beinen, wie ein Storch hinein. Sie wollte doch nicht, dass ihr schönes Waschbärenfell mit dem gestreiften Waschbärenschweif nass wird. Doch so kam sie nicht weit. Flugsie flatterte immer noch aufgeregt über der Sandbank.
„Flugsie, ich kann nicht, sonst wird alles nass.“
Krääkuuz.
„Ist es so wichtig? Hast du etwas Besonderes entdeckt?“
Kräääkuuuz. Zwar konnte Flugsie kein Steinzeitisch, das war die Sprache damals, aber er verständigte sich mit Arlucksi über ihr Herz und diese Sprache verstanden sie beide.
„Warte, ich muss erst zurück und mir das Fell ausziehen. Dann komme ich zu dir. Ich bin schon ganz aufgeregt.“
Doch da passierte es! Arlucksi drehte sich um und wollte zurückgehen, doch sie trat auf einen kleinen Krebs und der zwickte sie natürlich und sie schrie:
„Au, au aua!“
Sie hüpfte auf einem Bein herum, achtete nicht auf die Richtung und da war es passiert! Plötzlich war der Boden weg! Arlucksi kam unbeabsichtigt in eine Untiefe, eine Delle im Meeresboden und schwupps war sie untergegangen. Gottseidank war die Stelle nicht sehr tief und Arlucksi kam prustend wieder nach oben. Als sie die Oberfläche wieder erreicht hatte, stand da plötzlich ein Junge auf der Sandbank und es schien so, als ob er sie mit einem Rechen sauber machen würde. Arlucksi hatte nicht genug Zeit sich zu wundern. Denn sie ging noch einmal unter. Aber schon hatte sie wieder festen Boden unter den Füßen und war kurz vor der Sandbank. Doch von dem Jungen war nichts mehr zu sehen.
Hatte sie geträumt?
Hatte sie zu viel Meerwasser geschluckt?
Jedenfalls, der Junge war weg. Aber es gab da Rillen auf der Sandbank. Gerade so als ob die jemand mit einem Rechen gemacht hätte. Komisch. Arlucksi kratzte sich am Kopf.
„Flugsie, hast du auch den Jungen gesehen?“
Flugsie schaute nur ein wenig merkwürdig, machte aber nicht sein Kräkuuz, sondern landete neben Arlucksi auf der Sandbank. Sie war ziemlich breit. Erst jetzt bemerkte Arlucksi, dass die Rillen im Sand eigentlich gar keine Rillen waren. Es war wohl viel eher ein großes Muster. Doch, so klein, wie Arlucksi mit ihren neun Jahren war, konnte sie das ganze Muster unmöglich erkennen. Da hatte sie eine Idee. Zugegeben, eine ziemlich verrückte Idee. Flugsie sollte ihr helfen.
„Flugsie, ich muss das von oben sehen. Ich nehme jetzt deine Füße und zu ziehst mich mit deinen Flügeln nach oben, so hoch du kannst.“
Flugsie schaute nicht sehr glücklich, aber weil er seine Arlucksi liebte und weil sie jetzt so etwas wie seine Mutter für ihn war, seit er aus dem Nest gefallen war, wollte er ihr natürlich helfen. Flugsie konnte aus der Höhe das Muster gut erkennen, aber er wusste nicht, wie er es Arlucksi in ihrem Herzen beschreiben sollte, also musste er sie jetzt wohl oder übel irgendwie nach oben bringen. Arlucksi klammerte sich an seine Füße und Flugsie flatterte aus Leibeskräften nach oben. Und tatsächlich, es gelang ihm, Arlucksi ein paar Meter nach oben zu bringen.
„Höher, Flugsie, höher!“
Aber Flugsie war doch noch zu klein, um das Gewicht von Arlucksi lange tragen zu können. Flups lagen beide wieder auf der Sandbank. Aber Arlucksi hatte genug gesehen. Die Rillen bildeten tatsächlich ein Muster und genau in der Mitte des Musters lag eine große, strahlend weiße Muschel. Für Arlucksi gab es kein Halten mehr. Sie lief los, so schnell sie konnte, weil, diese Muschel, die musste sie unbedingt haben. Die würde sich nämlich ganz besonders gut auf dem Säbelzahntigerfell ihrer Mama machen. Ja, das würde sie!

Doch als Arlucksi die Muschel in Händen hielt, wurde sie ganz traurig. Oje, die Muschel war ja viel zu groß für eine Halskette. Arlucksi wollte sie schon wieder ins Meer werfen, aber dann dachte sie daran, wie lecker Muschelfleisch schmecken kann. Und bei einer so großen Muschel, die Muschel war so groß wie ihr Kopf, gab es sicher viel Muschelfleisch innen drin. Naja, dachte sich Arlucksi, wenn schon keine Kette, dann wenigstens ein gutes Geburtstagsessen. Doch Arlucksi sollte noch sehr staunen und die ganze Familie mit ihr, denn das Abenteuer hatte bereits begonnen und Arlucksi sollte darin eine besondere Rolle spielen.

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